Kunstraum Nestroyhof

RealFiktional

Julie Hayward & Thomas Reinhold

 

16. Juni – 15. September 2016

In der Ausstellung RealFiktional werden Gemälde von Thomas Reinhold und Objekte von Julie Hayward einander gegenübergestellt und miteinander in Beziehung gebracht.

Die Gemälde von Thomas Reinhold eröffnen mittels mehrfacher Überlagerung von Schichten virtuelle Räume. Durch die Skulpturen von Julie Hayward wird die Malerei ins konkret Dreidimensionale weitergeführt. Malerei und Skulptur werden nicht mehr isoliert wahrgenommen – sie überschneiden sich räumlich, formal und gedanklich und schaffen so eine neue Zwischenwelt, in der man sich wie selbstverständlich – gleichsam wie in einem Traum – zurechtfinden kann.

Die Künstler verbindet bei aller Unterschiedlichkeit ihres Mediums eine gleiche Herangehensweise: „Das gemeinsame an unseren Arbeiten ist, dass sie in einem Schwebezustand entstehen, in dem Unbewusstes und Bewusstes fusionieren. Das Unbekannte, das daraus erwächst, wird erst in der materiellen Umsetzung konkretisiert. Durch das Zusammenführen unserer Arbeiten entsteht ein utopischer und zugleich etwas unheimlicher Hyperraum." Eine Parallelwelt tut sich auf, die für beide Künstler sehr real ist – ein fiktionaler skulpturaler bzw. malerischer Raum, in dem sie sich souverän bewegen.

Julie Hayward

Die cyborgartigen Wesen von Julie Hayward haben sowohl einen organischen als auch einen mechanischen Aspekt. Es entstehen technoide, an Science-Fiction erinnernde Objekte, die zwiespältige Gefühle evozieren – einerseits rufen sie unbewusste Ängste wach, andererseits sind auch Humor und Ironie ein wesentlicher Aspekt dieser skurrilen Erfindungen. Man mag an technische Vorgänge denken, vielleicht an Maschinen, die in Bewegung sein könnten, die aber im Moment ruhig gestellt sind. Handfeste Objekte und Apparaturen täuschen ein Funktionieren vor, das jedoch komplexere Ursprünge hat als mechanische Getriebe und physikalische Energie. „Ich stelle innere Prozesse dar, psychische Konstruktionen und existenzielle Fragen. Die fast konstruktive Form der Objekte, die das Unbewusste findet, verdeutlicht Vorgänge, die gemeinhin nicht festzumachen sind." Julie Haywards Zeichnungen, die Ausgangpunkt ihrer skupturalen Arbeiten sind, entstehen in einer Art psychischem Automatismus, die Titel dienen als Fährte zur Interpretation.

Thomas Reinhold

In der Ausstellung RealFiktional zeigt Thomas Reinhold Arbeiten aus seinen Werkgruppen Tektonik der Schwebe und Transport und Kommunikation, in denen er den Entstehungsprozess für den Betrachter nachvollziehbar reflektiert. Die Leinwand wird auf Kisten aufgebockt, die Farbe wird geschüttet und durch Anheben des Rahmens transportiert. Der Totpunkt stoppt die flüssige Farbe, erlaubt einige Augenblicke lang ein Innehalten zwischen den Entscheidungen. „Der Zwischenbereich wird der Ort des Interesses, in dem Formen entstehen, die zwischen Rinnsalen aufgehängt scheinen. Durch Kontemplation und bewusstes Träumen versuche ich eine Gratwanderung, durch die unmittelbar und möglichst direkt aus dem Unbewussten Bilder werden. Meine Malerei kennt also keine rationale Umsetzung, keine Abstrahierung, sondern versucht, sich direkt in den Gegenstücken der Wahrnehmung aufzuhalten, um dort ihr Reservoir zu schaffen." Die im Werkgruppentitel genannte Kommunikation tritt ein, wenn obiger Vorgang wiederholt angewandt zu Überlagerung und Austausch der Farben untereinander führt und so das Hintereinander der prozessualen Vorgangsweise zum räumlichen Erlebnis für die Betrachter wird.

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>> Eröffnungsrede "RealFiktional" von Thomas Mießgang

 

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