Kunstraum Nestroyhof

BILDBILDER

BILDBILDER, Nita Tandon, Standardwerk, 2016, Foto: Christof Aigner
Daniel Wisser, Textperformance MARMOR, 2016, Foto: Kay von Aspern

Nita Tandon & Daniel Wisser

29. September – 5. November 2016

Picture or Image? Dieses lexikalische Problem löst die deutsche Sprache dadurch, dass sie nur ein Wort zur Verfügung stellt. Die Ausstellung BILDBILDER beschäftigt sich mit der Übertragung von Bildinformationen und ihrer Rekonstruktion zu einem neuen Bild - einem Bildbild. BILDBILDER beleuchtet die visuelle und sprachliche Rekonstruktion von Bildern. Eine Rekonstruktion verlangt nach klaren, reproduzierbaren Kriterien, wie sie etwa bei der Umwandlung von analog in digital oder umgekehrt verwendet werden müssen. Die Rekonstruktion nimmt dem Bild die Unschuld des So-Seins, und zerstört das Akzeptieren von Bildern als objektiver Darstellung der oder einer Realität.

Die ganze Welt besteht aus Bildbildern. Es gibt nur Bildbilder.

 

Nita Tandon: STANDARDWERK

Nita Tandons STANDARDWERK ist eine vierteilige Arbeit, deren Ausgangspunkt die Fotografie eines Fleischwolfs ist, der von der Firma STANDARDWERK hergestellt wurde. Dieses Bild wird reproduziert, indem etwa 10 mm² große quadratische Flächen von Plastilin an eine Glasscheibe geklebt werden. Aus diesen Flächen, die wie „Pixel“ wirken, setzen sich die Bilder zusammen. Tandon reproduziert das Bild drei Mal, wobei die Farben der einzelnen „Pixel“ nach jeweils anderen Methoden hergestellt werden. In der erste Methode werden die CMYK-Werte der Farben der einzelnen „Pixel“ in Gramm umgerechnet und die entsprechenden Mengen Plastilin in einem Fleischwolf zu der betreffenden Farbe gemischt. In der zweite Methode wiederholt Tandon denselben Vorgang mit RGB-Werten und in der dritten Methode reproduziert sie die Farben nach Augenmaß. Diese drei methodischen Reproduktionen des Ausgangsbilds werden von der Skizze, nach der Tandon das Bild zuerst segmentiert hat, ergänzt.

 

Daniel Wisser: MARMOR

 

Bei seinen einstündigen Performances trägt Daniel Wisser in 20-Minuten-Loops kurze, drei bis acht Sätze umfassende Texte vor – fiktive Texte, die aus historischen Zeitungsmeldungen entstanden sind. Dabei liegt der Fokus auf der Abwesenheit und Negation von Geschehenem.

Daniel Wisser bezieht in seine Performance-Texte immer wieder den Aufführungsort mit ein. So erzählt die titelgebende Erzählung „Marmor“ vom Architekten des Nestroyhofs, Oskar Marmorek, der sich auf dem Zentralfriedhof am Grab seines Vaters erschoss. In den Texten werden auch historische Blickweisen „korrigiert“, etwa in einem Text über Josef Ressel, der heute allseits als Erfinder der Schiffsschraube bekannt ist, zu seinen Lebzeiten aber ein Forstmeister war, der keinen Wald zu verwalten hatte; seine Erfindung wurde damals anderen Personen zugeschrieben. Ein anderer Text handelt von den leidenschaftlichen Protesten gegen die Errichtung des Eiffelturms. So verließ etwa der Schriftsteller Guy de Maupassant Paris, weil er den Anblick eines Paris mit Eiffelturm nicht ertragen wollte. Auch von der Vorführung des heute verschollenen Films „Der Traum des Astronomen“ am 24. Jänner 1900 im Wiener Kolosseum ist die Rede. Bei der Vorstellung geriet der Filmapparat in Brand und der Vorfall befeuerte die Skepsis gegenüber dem neuen Medium Film. 

Von den 14 Texten, aus denen ein Loop jeweils besteht, werden laufend Texte ausgetauscht und nur der Titeltext sowie zwei weitere bleiben durchgehend bestehen, sodass im Zeitraum der Ausstellung insgesamt 34 Texte vorgetragen werden. Auf diese Weise ist jede Performance eine Uraufführung – und jener Loop, der auf Video-Loops in Ausstellungen anspielt, ist also gar keiner. | 

 

>> Eröffnungsrede "BILDBILDER" von Patricia Grzonka

>> Fotos von der Eröffnung

>> Fotos vom Artist Talk

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