Kunstraum Nestroyhof

SILENT SOUND

Markus Hofer, Die Zauberflöte, 2019

Michael Kos, Requiem, 2016

Constantin Luser, Sounddusche, 2010

Georg Nussbaumer, Arienwölfe, 2002

Jerca Rožnik Novak & Andraž Mazi, INNER DRUM, 2022

 

Eröffnung: Mittwoch, 5. Oktober 2022, um 19 Uhr

Dauer der Ausstellung: 6. Oktober – 9. Dezember 2022

 

Um Wahrnehmung werden zu können, braucht die Musik Voraussetzungen. Eine davon heißt: Körper. Ob Instrument, Stimme oder technischer Klangkörper – ohne vermittelnde Stofflichkeit bleibt die Musik stumm. Instrumente sind also funktionale Körper, die jedoch gleichzeitig oft hohe ästhetisch-skulpturale Qualität haben. Folgerichtig hat sich die moderne Skulptur- und Objektkunst immer wieder der Form und der Materialität von Instrumenten gewidmet, siehe etwa Josef Beuys‘ in Filz eingeschlagenen Konzertflügel.

SILENT SOUND zeigt gegenwärtige Positionen zum Verhältnis von Klang und klangerzeugenden Objekten.
Markus Hofer nähert sich dem Thema leichtfüßig. In verspielter Weise lässt er seinen Klangkörper anthropomorph werden oder macht seine Zauberflöte zu einem humorvollen Kunststück der Äquilibristik.
Michael Kos lässt dunklere Töne anklingen. Aus seiner Serie manipulierter Musikinstrumente zeigt die Ausstellung seine Arbeit Requiem, einen aufgeschnittenen, mit tierischen Schulterblattknochen gefüllten Kontrabass auf Schienen. Über die in alle Knochen eingravierte f-Form, wie sie für Schalllöcher bei Streichinstrumenten obligatorisch ist, wird eine Beziehung zwischen Musik und Tod symbolisiert.
Constantin Lusers akustische Sounddusche ist eine prinzipiell spielbare, an der Wand befestigte Posaune, die der Künstler derart umgeformt hat, dass der Ton nicht an ein Publikum gerichtet wird, sondern auf den/die Posaunist*in zurückgeworfen wird.
Die Arienwölfe des Komponisten und Objektkünstlers Georg Nussbaumer sind emblematische Objekte, die immer wieder in Nussbaumers Operninstallationen auftauchen, wenn es nicht nur um Singen und Hören, sondern auch um Lust und/oder Gewalt geht. Im Gegensatz zum Fleischwolf, der Fleisch zerkleinert, produziert der Arienwolf eine intakte Zunge, die für das Schmecken und die Artikulation steht.
In ihrer Arbeit Schlechte Brille montiert Clara Oppel zwei kleine runde Lautsprecher zu einer „Hörbrille“, die keinen Ton von sich gibt und beim Aufsetzen die Sicht versperren würde. Anders als die Augen können wir die Ohren nicht schließen, und schützen uns vor der akustischen Überreizung durch selektives Ausblenden uns umgebender Schallwellen. Ihr „Klangobjekt ohne Ton“ ist ein Appell der Künstlerin, sich für all die unbeachteten Töne und Geräusche um uns herum zu sensibilisieren und sie nicht nur als Hörstrom vorbeifließen zu lassen. Weiters wird eine Arbeit mit dem Titel the sound within – within the sound zu sehen sein, die speziell für diese Ausstellung im Kunstraum Nestroyhof konzipiert wird.
Christoph Theiler schafft mit seinen Talking Transmitters aus analogen UKW-Sendern zarte Gebilde, die skelettierten Mini-Dinosauriern gleichen und die miteinander kommunizieren. Durch den Einsatz analoger Radios können die „Gespräche“ der Talking Transmitters demoduliert und damit für das menschliche Ohr wahrnehmbar gemacht werden. Mit dem Rückgang der analogen Technik wird die Hörbarmachung mittels analoger Radiogeräte für uns quasi unmöglich gemacht – dennoch werden die Talking Transmitters weiter miteinander kommunizieren.

Gleichsam als Kontrapunkt zu den stummen Objekten und Installationen wird als wiederkehrender performativer Bestandteil die eigens für diese Kunstraum-Ausstellung kreierte Tanzperformance INNER DRUM mit der Tänzerin Jerca Rožnik Novak und dem Musiker Andraž Mazi aufgeführt. Dabei werden die oft nur leisen oder überhaupt nicht hörbaren Manifestationen des menschlichen Körpers – wie das Rauschen des Blutes oder das Wachsen des Haares – in Bewegung und Klang übergeführt.


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